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Absolution & entzauberte Heiligtümer

Endlich! Die Windgötter erteilen mir nach sieben Wochen, 5000 km und über 30 Inseln die Absolution. Der Wind ist da! Um sieben ohne Frühstück an den Strand, aufbauen und sofort raus. Der Wind bläst aus Nordost side onshore mit 14 Knoten. 50 weitere Kiter sind bei Ebbe draußen. Es gibt zahlreiche Felsen im Wasser, manche liegen knapp unter der Oberfläche. Bei Fahrtrichtung Süd sieht man dank der Sonne am Vormittag überhaupt nichts davon.

Wegen den zusätzlich zahlreich ansässigen Seeigel geht kaum einer ohne Gamaschen raus. Meine hatte ich vor drei Wochen Uli mit nach hause gegeben. Jetzt kaufe ich neue. Kitesurfen ist strikt reglementiert am Bulabog Beach auf Boracay. Man braucht eine Flagge am Kite. Selbige gibt’s an jeder Kiteschule für 250 Pesos Pfand – einen Schein will keiner sehen.

Es sind viele Russen hier und sie trinken gerne kommunistisch, sprich Cuba Libre. Einen von ihnen sehe ich bei einer Pause wenigstens vier davon versenken. Er kann noch gehen, lallt aber schon. Jetzt will er kiten – natürlich mit dem obligatorischen Russenstart fünf Meter vor den Palmen. Ach, geliebte Vorurteile…

Gegen Mittag starte ich in die zweite Runde. Der Wind bläst jetzt mit für meine rot-schwarzen Bumsbomber 13 perfekten 15 bis 20 Knoten. Auf einem Gebiet von 2000 mal 400 Metern sind jetzt gezählte 197 Kiter und 29 Surfer draußen. Das ist auch für einen Überlebenden der Neusiedler Kite-Kriege mehr als dicht. Sogar auf Ritterturnieren gab’s mehr Sicherheitsabstand.

Ich arbeite mich durch die Dangerzone der Schüler – die Kites poppen jetzt im 10 Sekunden-Takt auf’s Wasser. Draußen wird’s etwas besser und dank einsetzender Flut ist der Wasserstand jetzt höher: nicht jeder Fehler landet auf einem Felsen. Prompt schmeisst’s mich einige Male heftig nach versemmelten Sprüngen und beim heizen. Neptun nimmt meine erste Sonnenbrille als Opfergabe an.

Nachmittags muss ich das Hotel wechseln, jedes ist über Silvester gerade mal ein bis zwei Tage frei – trotz gesalzener Preise. Sachen packen, Trike runter nach Downtown und einchecken. Das Fat Jimmys ist wenigstens nahe am Bulabog. Sofort zurück an den Beach. Der Wind ist schwächer, aber passt noch. Raus und nochmal zwei Stunden heizen bis die Arme abfallen. An Land komme ich erst zum Sonnenuntergang.

Nachdem ich mich gerade noch über die Blödheit anderer wunderte, lasse ich jetzt dämlicherweise selbst die abgeknüpften Leinen eine Minute in der Brandung schaukeln. Das Nest mit Fischernetzen, Plastik und Seetang zu lösen dauert nur knapp eine Stunde. Ich krieche heim in mein Bett. Meine Beine sind trotz sieben Wochen Vorbräunung und LSF 50 knallrot, mein Gesicht Sonnenbrillen-Koala in rot-weiss. Über fünf Stunden am Wasser ohne aufwärmen war wohl ein bisschen viel.

Kitesurfen auf Boracay. Ich entziehe dir die Heiligkeit. Ja, is ganz nett. Aber ehrlich: Felsen und Seeigel im Wasser, proppevoll, recht viele alle Regeln ignorierenden Kite-Rambos am Wasser, bei Flut drei Meter Beach, keine netten Bars und  alles trinken und essen einfach schweineteuer. Das reicht nicht zum Heiligtum. Immer das gleiche mit diesem glorifizierten Gesindel. Setzen! Drei.



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5 Kommentare zu “ Absolution & entzauberte Heiligtümer ”

Ich behalte gerne recht. :-) Aber ich denke du hast erst an der Oberfläche des Eiterpickel gekratzt. Das kannst du besser. Ich lasse dir noch ein paar Tage…. ;-)

Kommentar von tommykrebs am 30.12.2011

hehe…kann nicht aus meiner haut, sorry. aber nach einem ausführlichen bad in den bars des white beach glaub ich das schlimmste schon gesehen zu haben. wenigstens kaum dauerstecher hier. is doch mal was. oaky, futter und trinken zu mehr als EU preisen….heftig. gib mir n tipp!

Kommentar von ff-webdesigner am 30.12.2011

Wie soll ich dir nen Tipp geben? Ich war noch nicht auf den Philippinen . Ich wäre schon längst im Flieger nach NZ. :-) btw: wenn ich mir so anschaue was der Euro zur Zeit wert ist bin ich froh das ich immer noch reisefaul bin. Als ich das 2. mal in NZ war kostete ein NZ $ 0,39€. Jetzt sind es 0,59€!

Kommentar von tommykrebs am 30.12.2011

Heyhey, bin soeben zum zweiten Mal auf deinen Blog gestossen, habe beim Lesen viel über deinen Henkerhumor gelacht und freue mich trotzdem auf viele Windyspots auf den Philippinen… Fliegen morgen nach Roxas und probieren Baybay gleich als erstes aus. Mui Ne war so ähnlich wie du Boracay beschrieben hast, das brauchen wir nicht so dringend… Vielleicht gehst du nächsten Dezember besser nach Chumphon? Das war bisher unser absoluter Lieblingsspot.
Hier meine Blogeintrag dazu: http://windyspots.blogspot.com/2011/12/ich-kann-fliiieeeegen.html
Und ein kurzer Film von Koh Phangan: http://youtu.be/pcORYHbviyQ

Kommentar von Michèle am 6.2.2012

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