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Und wenn ich nicht hier bin…

…bin ich aufm Sonnendeck. Bin ich Bin ich bin ich… Das Schild neben mir sagt: to the Sundeck. Ich schau mich um, ganz oben auf dem Speed-Cat nach Mana. Stimmt. Die Sonne scheint wieder, nachdem der letzte Tag in Nadi eine einzige Katastrophe war. Ich hab die letzten Tage einen Stich am Fuß aufgekratzt. Tägliche Säuberung brachte nix. Das Ding blutete und nässte vier Tage und vier Nächte.

In meiner letzten Nacht im Horizon wach ich um zwei Uhr Nachts auf. Mein Fuß tut höllisch weh. Ich geh raus ins Licht und seh einen Kürbis, wo mal mein Fuß war. Angeschwollen wie Bullenklöten zur Paarungszeit. Der kleine Stich mausert sich zum Ulkus. Ich nehm ein Taxi, fahr ins Krankenhaus. Der Arzt meint: rechtzeitig, wäre wohl ne Blutvergiftung geworden.

Nach ein paar Painkillern, Penicillin und einer gründlichen Säuberung komm ich wieder heim. Wie funktioniert das eigentlich, dass gerade in den ärmsten Ländern die medizinische Versorgung umsonst ist, sogar für reiche Ausländer?

Tags darauf packe ich zusammen. Besorge mir Medizin. Die staatliche Apotheke hätte mir auch diese umsonst gegeben. Hat aber leider Sonntags zu. Ich kaufe Wasser, Wodka und Zigaretten. Verpasse den Transfer zum Schiff, nehm ein teures Taxi. Der Transfer nach Mana mit South Sea Cruises kostet fast doppelt so viel wie das kleine Schiff vom Ratukini Hostel, das ich am Morgen verpasst hab. Hauptsache weg aus Nadi. Aufm Sonnendeck.

Die kleinen Inseln der Mamanuca-Gruppe ziehen mit 60km/h vorbei. Das Wasser leuchtet. In Jeder Bucht auf jeder Insel liegt ein kleines Resort. Manche sind Piratenbuchten, andere für Schmuggler, viele für neureiche Langweiler. Die meisten Sonnenstühle sind leer.

Die Fähre legt auf Mana an. Fijisingsang begrüßt uns. Tui vom Ratukini hält sein Versprechen. 21€ pro Nacht im Dorm, inclusive drei Mahlzeiten. Ich finde gleich Ross, den Californischen Firefighter. Knallrot. Ich muss grinsen. Er fragt mich, wieviele Bier wir Gestern getrunken haben. Wieder grinsen. Welcher Firefighter hat je zuvor gefragt, wieviel Wasser er gebraucht hat, um ein Feuer zu löschen?

Im Dorm ist Hanna, eine nette Schwedin, die ich vor fünf Wochen auf Hawaii getroffen habe. Hat’s noch vor mir hierher geschafft. Ich laufe durchs Camp. Das heißt: Dorf. Es gibt keine Grenzen zwischen Dorf und Ratukini. Ratukini ist ein Dorf. Alles bunt gemischt. Einfach, manchmal n bisschen dreckig. Aber selbst der Dreck ist schön. Der nahe Generator in der Nacht schnurrt wie eine Stromkatze. Das Bier ist riesig und billig. Die Leute sind ohne Ausnahme alle unglaublich freundlich.

Ein Quiz am Abend. Ich mal wieder: kein Name bleibt länger als zwei Sekunden in meinem Schädel. Aber wehe, wenn ich einmal eine Zahl lese. Vor vier Wochen hab ich Lonely Planet im Beach House gelesen. Ich weiß immernoch, dass Fiji 333 Inseln hat. Das beschert uns den Sieg und noch vier große Bier.

Ich bin auf Antibiotika. Kein Alkohol. Ist nicht schlimm. Hier ist alles wunderschön, und ich schwebe auf Painkillern flötend über strahlend weise Strände. Auf hohe Grashügel im Pazifik, einmal rund um die Insel mit Hanna und rein ins Wasser. Die Sichtweite ist nur durch die Erdkrümmung begrenzt.



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