Kreuzzug zur Sinnlosigkeit

2608
2007
So
3:02
Tag
79
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Die Tage kommen und gehen. Nichts und niemand, was man sich merken müsste. Nichts passiert. Das Hostel ist voll mit Deutschen, die sich hier zum Beginn eines Auslandssemesters auf Hawaii getroffen haben. Ich fahr mit einigen einen Tag im Mietauto über Oahu. Wir bekommen ein Mustang Cabrio angeboten, weil mal wieder der passende Kleinwagen fehlt. Dummerweise passend für vier, wir sind fünf. Umsonst die Motorhaube geleckt. Mir ist schlecht vom Vorabend. Ein Amerikanischer Soldat hatte zulange mit mir am Strand über Bush uind Irak gelästert.

Oahu ist eine kleine Welt, kleiner als gedacht. Schöne Strände am Northshore, etwas schnorcheln. Wir verlieren unseren Weg auf dem Weg zum Strand aus „Lost“. Regen folgt immer wieder auf Sonne. Hab mein Handtuch an einem Strand vergessen, nichts ist zum behalten. Ein Handtuchverkäufer meint, die Tradewinds hätten sich verabschiedet. Kailua mag mich auch nicht retten.

Abends geht’s wieder rnach Honolulu zurück. International Food Market wie immer. Schnell restaurieren für die Nacht. Meine werten Zimmergenossen haben die Bleibe endgültig in den ultimativen Saustall verwandelt. Selbst der Geruch ist authentisch. Jeden Abend das gleiche Schauspiel, bevor sie losziehen: riechen, Nase rümpfen, zuparfümieren. „Oh man, i got no more clothes.“ Rund ums Klo liegen vollgepisste Unterhosen. Das Zimmer ist ein Meer aus leeren Bierbüchsen.

Wir fahren mit dem Auto ins Uni-Viertel. Ein Deutscher hat mit vier Freunden ein Haus gemietet. Party zum 24. Geburtstag. Alkohol in Unmengen. Eine Berlinerin tölt, wie gut sie im Bett sei. Ich schenk ihr einen roten Stempel für die Stirn. Die Polizei könnte kommen, spart sich’s aber. 100 Deutsche in Hawaii. 100 Namen, nichts zu merken. Ich fühl mich alt. Bin ich auch, relativ gesehen. Jeder ist verwundert, wenn ich antworte: „Ich, studieren? Bin seit sechs Jahren fertig.“ Balzende Gockel und glucksende Hennen. Mehr Alkohol. An den Wänden eines leeren Zimmers stehen hunderte von fein säuberlich aufgereihten leeren Bierflaschen. Deutsche auf Hawaii.

Gegen eins ziehen wir in die Stadt. Wir hätten’s auf Seite eins der Honolulu News gebracht, wäre uns auf dem Weg die Polizei begegnet. Jeder hatte mehrere Bier dabei. Trinkenderweise ziehen 100 illegale Lemminge durch Honolulu. Nicht mal der Weg ist ein Ziel, es ist ein Kreuzzug zur Sinnlosigkeit. Wohin? Keine Ahnung. Dazwischen versauen wackre Jäcken die Innenstadt. Nicht nur hinter Büschen. Und die Lemminge werden immer weniger.

Kurz vor zwei kommen wir im Mad Dogs an. Fick-Mich-Biatch-HipHop aus der untersten Schublade. Publikum dem Sound entsprechend. Ich muss beim Anblick einiger Hopper grinsen. Willst du nun Hoppen oder Torkeln, du Zopf-Wachtel? Ein Ire, der aus dem Hostel geschmissen wurde macht Witze: „You also hate Niggas, do you?“ Ich weise ihn höflich darauf hin, dass solche Witze Deutschen gegenüber nicht sehr witzig sind. Sein Gesicht mutiert binnen einer Sekunde zu einer roten Gorilla-Grimasse. Er ist kurz davor mich zu verprügeln. Echter Sinn für Humor ist unbezahlbar.

Ich geh Heim. Auf der Strasse liegt vor einem Polizeiauto ein blutig geprügelter Suffbruder. We care a lot. Will nur noch eines: all den Dreck ins Internet rotzen. Zeit für Kontraste zum Kreuzzug zur Sinnlosigkeit.

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Ein Kommentar

  • susi schreibt am Sonntag, 26.8.2007 um 13:15 Uhr:

    suesser, DAS hoert sich ja alles nicht soooo vielversprechend an…
    oh mann…sorry, dass i mi etz erst melde, hatte super viel zu tun und bin nicht mal zum mail schreiben gekommen:(
    mit fiji wird\’s leider nix…muss hier etz tatsaechlich bis zum 13. dez arbeiten…kohlemaessig schaugts bei mir gar net gut aus, vorallem in deutschland…drum kann ich mir leider keine grossen trips leisten…verdammt!
    naja, aber nach dem 13. dez hab i ja noch nen monat und da werd ich schon mal noch a bisserl rumgucken:)
    wir sehen uns auf alle faelle, wenn du nach australien kommst…waer schee…
    pass weiterhin gut auf dich auf und lass di net unterkriegen

    besos susi

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