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Kitesurfen Part 3: Hit the reef, Jack!

Mit Hilfe der werten Kitesurf-Community auf oase.com (Danke, Jungens!) und einigen Utensilien der Safari Lodge kann ich am nächsten Morgen meine gerissene Leine provisorisch fixen. Warren bietet mir an, mal einen neuen 12er Eclipse Kite auszuprobieren. Sag ich nicht nein. Gegen 11 geht’s zwei Kilometer raus aus offene Meer für einen Downwinder.

Ich schwimm vom Boot weg, Kite geht schön stabil am Rand hoch. Der Hybrid-Kite läuft Höhe wie Reinhold Messner auf Extasy. Selbst mit geringer Geschwindigkeit und relativ hoch geflogenem Kite geht’s ab nach Luv. 30 Grad gegen den Wind lassen mich nur noch grinsen. In vier Jahren hat sich unendlich viel getan beim Kitesurfen.

Es ist recht böig heute, aber der Eclipse hat gute Depower, ca. 60% reichen aus um alle Böen plattzuwalzen. Der Lift ist recht gifitg, bei einigen schnell geflogenen Wenden heb ich ab. Aus dem Downwinder wird ein einziger Upwinder weit draußen auf dem Meer. Der Eclipse hat nur 5 dünne Struts, daher ist er manchmal etwas schwabbelig. Überschossen hat er mich trotzdem nie, und ein Zug an der Bar macht das Schwabbeln immer schnell weg.

Die Sandbar, auf der wir Kitesurfen ist umgeben von einem Riff mit Korallen. Nach gut eineinhalb Stunden spaßigem hüpfen, giftigem wenden und Höhefressen fahr ich wieder zum Boot. Sotos meint, wir sollten jetzt den Downwinder zurück zur Küste starten. Ich schrei noch „Show me the way!“, bevor ich denke: „Ui, da geht’s ja auch durchs Riff.“.

In den nächsten zwei Minuten hatte ich mindestens zwei hyperaktive Schutzengel. Es ist Ebbe. Das Wasser ist auf einmal nur noch 20cm tief, meine Finne knallt mit 20km/h aufs Riff. Mich schmeißt, den Kite verreiße ich dabei in die Powerzone. Ich werde 15m mit Volldampf über die rasiermesserscharfen Korallen nach Lee gerissen. Dann schaffe ich es, mich mit Füssen und Händen im Riff zu verkrallen, starte den Kite vorsichtig wieder. Und schreie in Lebensgefahr um Hilfe.

Helfen kann dort aber niemand, viel zu niedrig für Boot oder andere Kiter. Ich rutsch auf dem Hintern vorsichtig gen Lee, noch 15m bis zum Rand des Riffs. Dann treibe ich im offenen Wasser auf mein Board zu, greif’s mir und will den Rest heimmachen. Mein linker Fuß sagt nein. Eine Koralle steckt drin.

Wieder im Boot fängt dann das Zittern an. Meine rechte Hand hat einige Schnitte, viele böse an beiden Füssen, linker Unterschenkel ist auch offen. Ein Schnitt am rechten Zeh ist richtig tief. Binnen Sekunden bin ich voller Blut. Ich kriegt das gute Kribbeln in den Backen und bin kurz davor, temporär abzutreten.

Ich hatte riesen Glück. Ich hätte mir genauso gut die komplette Bauchseite tranchieren können und als Zombie an land kutschiert werden müssen. Was ich gelernt habe: Niemals bei weniger als 80 cm Wasser über ein Riff fahren, am besten weit davon wegbleiben. Die Locals vorher fragen, immer. Niemals mehr einen Kite im Riff relaunchen. Absolut vertraut mit der Safety sein – ich war zu langsam.

Zurück an Land versorge ich die Schnitte, erst ne kalte Dusche für den Kreislauf, dann ne heiße um die Krusten aufzuweichen. Danach heißes Salzwasserbad zur Desinfektion. Bei Korallenschnitten ist eine gründliche Reinigung von allem Dreck sehr wichtig. Ich schneide alles halb geschlossene auf, kratze Korallenreste und Sand raus, schmier antibiotische Salbe drauf. Ich hoffe das reicht.

Was mich beunruhigt ist: jeder zweite Mensch, der schon mal mit Korallen innigen Kontakt hatte und davon berichtet, erwähnt im zweiten Satz eine Blutvergiftung. Keine Sorge daheim! Eine Wahrsagerin auf dem Hollywood Boulevard hat mir gesagt, dass ich durch Altersschwäche sterben werde, folglich muss ja alles gut werden.



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