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Kitesurf-Finale Fiji: 10km Downwinder

Ich lieg im Zelt. draußen tobt ein tropisches Gewitter. Die Angestellten der Safari Lodge trinken heute Kava und singen nebenan zur Ukelele. Nirgends auf der Welt hab ich Menschen schöner singen gehört. Mehrere Stimmern, einer fängt an, die anderen antworten, manchmal nur Frauen, manchmal nur Männer. Immer mehrstimmig, und jedes Lied klingt wie ein Wiegenlied.

Ich schlafe ein und wache wenig später mit einem Wasserfall in meinem Gesicht auf. Mein Zelt ist „etwas“ undicht. Ich musste umziehen, da vor zwei Tagen ein ganzes Schiff voller neuer Gäste ankam. Der große Clash zwecks Beutemangel auf der Insel bleibt aus. Das schwarze Schiffs-Schaf berichtete uns, dass es sogar zwei Paare auf dem Schiff gibt, die Händchen halten. Das sind dann aber auch schon Extremisten, meint er.

Wir haben noch ein großes Feuer. Doch wies so nun mal ist mit christlichen Schiffen: das Bier müssen wir alleine mit dem Schwarzen Schiffs-Schaf trinken. Wir hüpfen zur Rocky Horror Picture Show ums Feuer. Die Boat-People gehen um neun nüchtern ins Bett. Ich ziehe vom Zelt nochmal rauf in die Kojen über der Küche.

Der Wind war die letzten Tage fast ganz weg. Ich komm nicht raus. Sitze am Strand, arbeite etwas und krieg nach drei Wochen den zweiten Inselkoller. Erst am vorletzten Tag kommt der Wind zurück. Vormittags helfe ich Sotos bei Kiteschulung. Ein großer Spaß, mal den Meister raushängen zu lassen, und das Leuchten in den Augen potentieller neuer Süchtiger zu sehen.

Gegen Mittag werde ich mit dem Boot von der Sandbar abgeholt. Warren schenkt allen Langzeitgästen am letzten Tag einen Mega-Downwinder. Zuerst mit dem Boot nach Ellington Wharf. Dann mit dem Van vollgestopft mit 5 Kitern und 3 Begleitern 10km nach Osten. Bei Ebbe 100m über ein Riff Upwind nach draußen ist mir zu heftig. Einmal ins Riff crashen reicht mir für ne Weile.

Nat, Dean, Marco und Grant gehen sofort raus. Ich mach den Eclipse Thruster in 12 am Strand klar und pack ihn in Warrens Boot. Er fährt mich über das Riff einige hundert Meter raus aufs offene Meer. Dann geht’s los.

Grant fliegt höher als die Berge. Dean pflügt das Wasser wie ein Bulldozer. Nat springt mehrfach über und einmal beinahe ins Boot. Marco macht die irrwitzigsten Richtungswechsel in allen Variationen. Ich kämpf erst mit den recht hohen Wellen, bis ich endlich den Dreh raus hab, jede zweite als Ramp für kleine Hüpfer zu verwenden. Meine Sprünge sind 2km von der Küste entfernt eher niedrig. Ist eine gute Inspiration für saubere Landungen, wenn man so weit schwimmen muss.

Einige Böen hebeln mich trotzdem hoch aus. Die resultierenden Stürze sind einige der saftigsten der letzten Jahre. Im Sonnenuntergang kiten wir in Formation an einigen Inseln vorbei. Das Panorama ist 100% Far Cry. Nur noch viel schöner.

In der Bucht von Nananu-i-Ra angekommen hab ich immernoch nicht genug. Noch ein paar Bahnen. Noch mehr Sprünge. Kurz vor der Landung nach 3,5h auf dem Wasser wird der Wind so schwach, dass mein Eclipse mitten in der Powerzone rückwärts fällt. Mit einem mächtigen Raketenstart reißt es mich die letzten Meter zum Strand. Geschafft.

An Land presse ich Unmengen Cola in mich rein, aber die Beine wollen einfach nicht aufhören mit dem Brennen und Zittern. Würdiger kann kein letzter Tag sein. Ich war im Himmel. Jetzt kann ich wieder zurück auf die Erde schauen.

Nachtrag 3.11.07: Hab gerade die ganzen Google Maps nachgetragen, Fiji war dafür einfach zu langsam. Ich weiß jetzt, warum ich so kaputt war. Es waren keine 10km, es waren 18. Luftlinie.



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