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Fremdenlegion Fiji

David, der nette Ire vom ersten Dschungeltrip hatte gemailt. Hätte einen weiteren Dschungeltrip ausgemacht, nirgends öffentlich angeboten, nur durch Zufall von einer Dorfbewohnerin erfahren. Ich sage sofort zu. Früh Morgens geht’s mit dem Bus nach Pacific Harbor, Art Village. Nettes Kolonial-Ensemble.

Ich treff David gegen 11, wir gehen was essen. David berichtet mir von seinen anderen Hotels. Anscheinend ist alles leer. Der letzte Putsch in Fiji ist zwar schon ein Jahr her, aber die Touristen fehlen immer noch. Ich überzeuge mich kurz davon im Uprising, einem neuen Backpacker-Resort in Pacific Harbor. Leer.

Mit dem Taxi fahren wir ins nächste Dorf. Luisa, eine nette Einwohnerin empfängt uns. Kurz daruf geht’s los. Unser Guide führt uns aus dem Dorf rauf in den Dschungel. Der Tonerde-Matsch ist tief. Nach einem Kilometer verstecke ich meine Schuhe hinter einem Baum. Sehr gut, wie sich später rausstellt.

Der erste Dschungel-Trail war barfuß kein Problem. Bei diesem die Schuhe auszuziehen war ein riesen Fehler. Die Kuhweiden sind noch okay, trotz großer spitzer Steine unter Schlamm. Einige Stacheldrähte sind vermeidbar. Dann wird’s härter. Die Kuhweiden gehen über in Sumpf.

Zuerst konnte man noch dem Bullshit ausweichen. Irgendwann weiß ich nicht mehr, was denn nun Bullshit ist, und was Sumpf. Der Sumpf wird tiefer, und die Kacke mischt sich mit dem Schlamm. Unter dem Sumpfgras verstecken sich nette Wurzeln, perfekt zum einhängen und im Matsch landen.

Ist der Sumpf mal trocken, wachsen massig dornige Ranken, Disteln und ähnliche Späße, die mir den Trip zu einem bleibenden pedestralen Erlebnis machen. Dann wird der Sumpf richtig tief. Oberkante Unterschenkel bedeutet: Glück gehabt. Pech bedeutet: bis zum Bauch im Dreck zu waten und dann auf einmal den Bodenkontakt zu verlieren. Manchmal hilft schwimmen. Manchmal ist der Schlamm zu dick dazu, dann retten nur noch helfende Hände.

Nach dem Sumpf folgen mehrere Flussdurchquerungen mit netten Mangrovenwurzeln auf beiden Seiten. Der Rucksack bleibt nur trocken, wenn ich schwimmend einen Arm ausgestreckt nach oben halte. Rauf über steile rutschige Tonerde über eine Hügelkette. Selbst die Palmenblätter am Boden sind gemein hier, haben Sägezähne auf drei Seiten. Meine Füsse werden tranchiert.

Nach über zwei Stunden erreichen wir endlich den versprochenen Wasserfall. Wir klettern weiter über glitschige Felsen und durch starke Strömung. Hier den Halt verlieren bedeutet garantiert Ausreizen der in der Versicherung beinhalteten Luftrettung. Die letzte Felswand führt zum Absprungpunkt am oberen Wasserfall.

David kann nicht schwimmen. Ich schleppe ihn schwimmend durch die Strömung. Rauf die Wand. Ohne Luftwurzeln wären die vier Meter unerklimmbar. Zusammen rein in die einige Meter tiefe Schüssel unterhalb des Wasserfalls. Hätte ich gewusst, wie stark das Wasser direkt an der Wand nach unten zieht, hätte ich ihm nie gesagt: „Do it, i’ll catch you!“. David ist aber gesprungen. Nach einigen Sekunden unter Wasser taucht er auf, ich greife ihn. Mich zieht’s nach unten. Aber hab ihn, drücke ihn aus der Walze. Geschafft.

Die nächste Zigarette war mehr als verdient. Zurück durch den Dschungel. Wir gehen nach einiger Zeit einen anderen Weg. Durch Mangroven-Sumpf. Ja, der Guide hatte recht: der Schlamm ist weich. Aber die senkrechten Mangrovenwurzeln bringen mich mehrfach zum schreien. Dann wieder Schwimmen im Schlammwasser, Arm mit Rucksack nach oben. Das Wasser schmeckt bäh. Nach fünfeinhalb Stunden Fremdenlegion Fiji sind wir wieder im Dorf.

Meine Schuhe sind noch am Traileinstieg. Im Regen geh ich nochmal rauf, suche sie. Es regnet, die Tonerde wird glatter als Eis. Mehrere Stürze. Meine Schuhe bleiben unauffindbar. Zum Glück hatte ich meine Brille doch noch in den Rucksack getan, nicht in die versteckte Tüte. Zum Wechseln hab ich nix dabei, also Bad im Ozean. Der Effekt an den Füßen dürfte ähnlich sein wie beim Feuerlaufen das gehen zu vergessen. Hundert Schnitte brennen wie Feuer. Heute hab ich meine Grenzen kennengelernt.

Im Dorf kriegen wir noch Sandwiches und Tee. Das versprochene Lovo bleibt leider aus. Nach einigen Runden Kava fahren wir im vollbesetzten Freitagabendbus zurück zum Fiji Beach House. Der Bus hat ein „Express“-Schild. Bergauf geht’s im ersten Gang mit 5km/h. An den steilsten Stellen macht der Fahrer zusätzlich Kurven, um die tatsächliche Steigung zu verringern. Bei jedem Gasstoß bläht sich die Motorabdeckung aus Stoff vorne bedrohlich auf.



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4 Kommentare zu “ Fremdenlegion Fiji ”

Der Sumpf scheint eine magische Anziehungskraft zu haben. Ist es nicht leichtfertig? Vor allen Dingen ohne Schuhe! Gibt es dort keine Schlangen? Du bist ganz schön mutig oder vielleicht doch etwas leichtsinnig? Mir ist wirklich fast elend….Ma

Kommentar von Carin am 15.9.2007

hi, echt geil! jetzt beginnt die reise erst richtig. Yellowstone und Guggenheim ist zwar auch ok, aber das ist Lebensfreude pur. Habe unwahrscheinlich Respekt! Peter

Kommentar von Peter am 16.9.2007

Keine Sorge, Schlangen und giftiges Zeugs gibts nicht…und elend wars mir am nächsten Tag auch. Muss mit dem Versuch einer internen Desinfektion via Rum am Abend zusammenhängen :-)

Kommentar von ff-webdesigner am 16.9.2007

Schönheit liegt im Auge des Betrachters, Wahrheit liegt oft im Dreck begraben – Dreck kann wunderschön sein! Meinst Du, sagte Bukowski.

Solange Dein Guide auch barfuß läuft musst Du mehr Angst vor Menschenschlangen haben! Meine ich, sagt die Politik.

Kommentar von Melly am 16.9.2007

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