Der Farang ist der letzte Dreck

1106
2008
Mi
16:32
Tag
369
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Kennt ihr den stehenden Begriff „Bumsbomber nach Bangkok“? Auf dem Rückflug nennt sich das Ding „Blödgevögelt nach Berlin“ und spielt sich vornehmlich in der Schlange vor dem LTU-Checkin am Flughafen Bangkok ab. Ich stehe mitten drin und lausche. Die Akteure: Zwei hässliche Deutsche weit jenseits ihrer niemals erlebten besten Jahre. Um die Gefahr einer Selbstidentifikation zu vermeiden wollen wir sie schlichtweg „Eins“ und „Zwei“ nennen.

Eins: „Als Farang kann man in Thailand keinen Besitz erwerben. Du kannst eine Firma gründen, aber nur mit Tricks, und die gehört dir dann nicht.“
Zwei: „Hm.“ (mehr …)

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Nachspielzeit

0906
2008
Mo
16:07
Tag
367
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Nein, das Spiel ist noch nicht vorbei. Es gibt eine Nachspielzeit. Ich fahr zum Flughafen. Arbeite noch ein paar Stunden offline. Gehe 2,5h vor Abflug zum Checkin. Freue mich darüber, dass noch die gleiche Frau am Schalter ist, die schon vorhin sagte: „Kiteboard? Kein Problem!“. Dann suche ich meinen Pass. Suche. Suche. Und suche.

Mitten im Flughafen zerlege ich mein komplettes Gepäck. Entrolle jedes Tshirt, öffne jede Tüte. Ein 10m langer Teppich breitet sich auf dem weißen Marmorboden aus. Ich schaue drei mal in jede Ecke meiner Rucksäcke. Rufe nochmal im Lub*D an. Nichts. Das letzte Mal hatte ich meinen Pass vorgestern Morgen beim Packen. Seitdem hab ich ihn nicht mehr rausgeholt. Er muss gestohlen worden sein. (mehr …)

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Das Ende einer langen Reise

0606
2008
Fr
13:05
Tag
364
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Heute ist der letzte Tag meiner langen Reise. Alles geht auffallend ruhig zu Ende. Die Sights von Bangkok bleiben unbesichtigt, ich habe genug gesehen. Arbeiten, chatten, mailen. Alte Geschichten im Blog durchgehen. Ich bin weder traurig, dass meine Reise zu Ende ist, noch freue ich mich sonderlich auf zu Hause. Bin irgendwo in einer leeren und stillen Mitte.

Die großen Erkenntnisse sind ausgeblieben. Freunde sagen, ich könnte sie erst daheim erkennen. Das Gleiche gilt für Änderung. Ich bin stärker geworden. Meine Knochen schmerzen an einigen Stellen, und ich bin immer noch chronisch müde. Aber das war es alles wert. In mir sind 100.000 schöne Bilder und Momente. (mehr …)

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Bangkok zum letzten

0506
2008
Do
18:36
Tag
363
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Mein letzter Ort, meine letzten Tage. Bangkok. Ich habe viel zu tun. Arbeiten, Rechnungen schreiben. Eine neue Brille abholen, die ich schon vor einem Monat geordert hatte. Kochlöffel schnitzen lassen, Flugticket London-München revalidieren, Kamera nochmal reparieren lassen. Der größte Teil meiner zwei letzten Tage geht für Shopping drauf. Alles haut recht zügig hin. Ich hab noch genau 120 Euro. Gehabt :-)

Daheim werd ich Weihnachten im Sommer spielen. Der Weihnachtsmann ist rot vor Neid, er hat meinen Rucksack gesehen. Meine Einkäufe trage ich durchs schwül-heiße Bangkok zurück zum Lub*d und bastel daraus einen schönen Geschenkhaufen. (mehr …)

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Die Fickinger von Pattaya

0206
2008
Mo
22:50
Tag
360
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Die Fickinger sind ein barbarisches Räuber-Volk aus dem hohen Norden. Ihre Haut ist weiß, ihre Bärte lang, ihre Bäuche dick. Fickinger sind allesamt so hässlich, dass man schon fast Mitleid entwickelt. Sie nehmen, was sie wollen, Fragen sind überflüssig. Fickinger saufen und grölen, vor allem nach vermeintlichen Siegen. Alles was ihr je über die Fickinger hörtet ist wahr. Bis auf eines: Sie haben keine Äxte. Sie haben Hämmer. Ganz, ganz kleine.

Spaß beiseite. Das war Ernst. Die Welt ist so kompliziert. Nichts ist wie es scheint. Kein Vorurteil lässt sich permanent verteidigen. Pattaya ist anders. Man muss hier nichts verteidigen. Einfach Augen auf und Halbwahrheiten niederschreiben. Jedes Truglicht wird an der nächsten Ecke zur traurigen Wahrheit. (mehr …)

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Angkor Wat

0106
2008
So
20:28
Tag
359
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Wir stehen noch vor fünf Uhr auf. Mit dem TukTuk lassen wir uns einen ganzen Tag von Tempel zu Tempel in Ankor Wat chauffieren. Die Kasse ist die erste Attraktion. 5:30h, Menschenmassen. 20$ Eintritt sind für Kambodschanische Verhältnisse glatter Wahnsinn. Davon gehen 10% in den Denkmalschutz, der Rest geht an einen Petro-Giganten und das Finanzministerium. Mindestens 200.000$ Einnahmen am Tag sind anscheinend nicht genug. Restaurierungen werden von Japan und Frankreich gezahlt.

Ankor Wat, Weltkulturerbe. Musst du hin. Jetzt bin ich da. Der Sonnenaufgang ist schön. Und der Rest schlichtweg genau so wie ich ihn mir vorgestellt hab. Nix neues, nix zu entdecken. Und das obwohl Tomb Raider hier gedreht wurde. Nach 12 Tempeln fahren wir wieder heim. Das Hirn ist Matsch, die Füsse platt. (mehr …)

Einfach müde

2905
2008
Do
21:32
Tag
356
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Ich fahre nochmal einen Tag Motorrad. Die Franzosen haben in der Kolonialzeit ähnlich Bach Ma in Vietnam in der Nähe eine Sommerfrische im Küstengebirge erschaffen. Die Offroad-Piste in die Berge nach Bokor soll eine der schönsten Straßen Kambodschas sein. Ich fahre über 100km, um dorthin zu kommen. Ein Schild steht neben der Schranke: Piste für Motorräder gesperrt. Nicht für Autos. Die Wächter sind unbestechlich.

Auf dem Rückweg komme ich in einen tropischen Regenguss. Keine Jacke kann das abhalten. Ich schaue mir nochmal das schräge Nachtleben an, und wie sich jegliche Menschlichkeit unscheinbar auflöst. Einer gibt seinem Freund Geld, damit ihm seine „Nutte“ selbiges nach dem Blasen nicht klaut. Ich geh ins Bett und wimmle kurz darauf höflich die klopfende ab. (mehr …)

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Alles ganz normal, irgendwo im Nirgendwo

2705
2008
Di
19:01
Tag
354
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Ich fahre mit dem Bus einige Stunden an die Küste. Eine kleine Stadt namens Nirgendwo. Mit dem Motorbike an leere Sandstrände in der Nachsaison. Erste Anzeichen von Kamibiza machen sich in Form großer Betonburgen breit. Überall stehen alte majestätische schmiedeeiserne Zäune aus der Kolonialzeit. Sie umgeben leere Felder. Andere Mauern stehen in der Luft auf 2m hohen Flutstelzen. Escher hätte das sicher gefallen.

Überall hängen Plakate gegen Kinderprostitution. Im Bus sind einige Helfer mit Tshirts eines Heims für Straßenkinder in Nirgendwo. Ich bin beunruhigt. Beruhigend ist, dass Kinderprostitution ins öffentliche Bewusstsein gebracht wird. Beunruhigend ist, dass es anscheinend nötig ist. (mehr …)

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Leben und Sterben in Phnom Penh

2505
2008
So
21:04
Tag
352
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Phnom Penh ist eine Stadt in Schwarz-Weiß. Manche Grautöne erscheinen zunächst wie Farben. Am Abend bin ich mir jedoch sicher, dass es noch nicht mal Grautöne gibt. Warum? Ich habe Armut gesehen. Hier ist sie schlimmer. Slums werden von Müllgürteln behütet. Die Millionärsvillen einen Block weiter von Stacheldraht und CTV. Ich habe Verzweiflung gesehen. Hier hat sie nur ein Auge. Ich habe von Völkermord gehört. Hier brachten die Mörder sich am Ende gegenseitig um. Ich habe vom Vergeben gehört. Hier gibt es nur Vergessen.

Phnom Penh ist Schwarz-Weiß. Alte rote Khmer sitzen im Parlament. Die Elite bedient sich umfangreich an allem was dem Volk fehlt. Dem Volk fehlt alles, und es schreit mich den ganzen Tag an: gib mir dein Geld! (mehr …)

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Webdesign im Mekong-Delta

2405
2008
Sa
23:45
Tag
351
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Um sechs Uhr aufstehen, um sieben Uhr Abfahrt. Drei Stunden mit dem Bus an den Mekong. Laufen, bootfahren, laufen, essen, laufen, bootfahren, laufen, Bus, laufen, Fähre, laufen, drei Stunden Bus. Ich schlafe immer wieder ein. Die Stunden ziehen an mir wie an einem Zombi auf Tranquilizer vorbei. Die Sonne scheint und Wasserlilien treiben in den braunen Fluten des Mekong.

Die Reisegruppe ist ganz nett, bunt gemischt, jung und alt und von überall her. Keiner Terror-Touris, sondern Menschen mit interessanten Geschichten und Fragen. Aber ich bin zu müde. Schalte den MP3-Player ein und schlafe weiter. Abends etwas Arbeit, aber ich kann mich nicht konzentrieren. Zum ersten Mal seit drei Tagen mehr als 6 Stunden Schlaf. (mehr …)

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Good Night, Vietnam!

2305
2008
Fr
7:12
Tag
350
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Der Wind ist endgültig weg in Mui Ne. Der Vollmond scheint aufs spiegelglatte Meer. Ist der Wind weg, kommen die Moskitos. Ich habe in einem Jahr Weltreise nicht mal eine Flasche Mückenschutzmittel verbraucht. Hab Schwärme im Dschungel von Fiji ohne Murren hingenommen. Aber die letzte Nacht in Mui Ne ist Wahnsinn.

Ich schaue einen Film, und versuche die fünf Moskitos auf meinem Arm zu ignorieren. Danach wird das Stechen mörderisch. Ich geh noch drei Mal in die Wax Bar, in der Hoffnung, dass die Moskitos irgendwann schlafen gehen. Ruhe ins Laken gewickelt in einer Hängematte am Strand. Moskitos stechen durch. 187 Stiche später weck ich um drei die Chefin und organisiere ein Moskitonetz. (mehr …)

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Realkapitalismus in Vietnam

2105
2008
Mi
17:47
Tag
348
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Was ist das jetzt in Vietnam? Überall steht groß Kommunismus drauf und drüber, aber nirgends isser drin. Onkel Ho Chin Minh is noch Gott, aber seine Schäfchen werten Geld deutlich höher als das Gemeinschaftsgefühl. Jeder kämpft für sich. Die demokratische Militärdiktatur Fiji war deutlich kommunistischer. Vietnam ist Realkapitalismus mit Sternchen.

Nur aus zwei Gründen bleibt Vietnam offiziell kommunistisch: Erstens kann man die schweineteuren Visas besser begründen. Zweitens machen sich die Sowjetsterne als Souvenir ganz gut. Ansonsten blieben nur noch Quicksilver-Kopien übrig. Mit denen rennen heute alle Vietnamesen rum, die roten Sternchen sind bei ihnen total out. (mehr …)

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Lieber an My Son erinnern…

1805
2008
So
15:14
Tag
345
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Gleich 50km südlich Hoi An gibt es noch ein Weltkulturerbe: My Son, ein uraltes hinduistisches Kultzentrum des Königreiches Chumpa. Erbaut zwischen dem 3. und 15. Jahrhundert entwickelten die Chumpa meisterliche Fertigkeiten im mörtellosen Ziegelbau. Einige der alten Tempel stehen noch heute.

1968 hatte der Vietcong hier eine Basis. Die daraus resultierenden US-Bombardierungen erledigten 8 Türme. Heute stehen – mehr oder weniger – noch 20 Turm-Tempel in einem idyllischen Regenwald-Tal. Auf den Backsteinen wächst Gras. Alt und neu, hier riecht’s wirklich nach Geschichte. UNESCO, ich verzeih dir den Irrtum mit Hoi An. (mehr …)

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Vergesst Hoi An!

1705
2008
Sa
20:07
Tag
344
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Jeder muss nach Hoi An. Eine alte Stadt, historisches Ensemble, behutsam renoviert. UNESCO Welt-Kulturerbe und von ausnahmslos jedem Reiseführer zum Highlight eines jeden Vietnambesuchs proklamiert. Heute komm ich in Hoi An und brauche ganze zwei Stunden um eine ganz andere Meinung zu entwickeln: Hoi An ist das erbärmlichste Weltkulturerbe, das ich je besucht hab.

Eben mal gezählt: Auf dieser Weltreise hab ich bisher 18 UNESCO Sites besucht. Seit letztem Jahr ist meine Heimatstadt Regensburg ebenfalls Weltkulturerbe. Die Orte werden aufgrund herausragender historischer Bedeutung in Verbindung mit tatsächlich präsenter Geschichte ausgesucht. Genau deswegen schrei ich in die Welt: Vergesst Hoi An! (mehr …)

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Nationalpark Bach Ma

1605
2008
Fr
22:22
Tag
343
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Meine Wirtin organisiert mir am Morgen ein Xe Om in den 40km entfernten Nationalpark Bach Ma. Die Französischen Feudalherren bauten hier ab 1932 binnen 10 Jahren knapp 150 Villen als Sommerfrische in die Berge. Gerade mal 20km vom Meer entfernt steigen die Gipfel auf bis zu 1500m an. Steile Berge, grüner Regenwald, gehüllt in hohe Wolken.

Der Eintritt ist fast umsonst. Aber ich hab Probleme, zum Gipfel zu kommen. Es gibt zwei Optionen: 16km durch tropische Regenwälder in der Mittagshitze laufen, oder den Nationalpark-Minibus bemühen. 20 Euro für 9 Personen. Doch Bach Ma ist recht unbekannt, dazu ist Nebensaison: Ich bin offiziell bestätigt der einzige Gast auf 22.000 Hektar Nationalpark. (mehr …)

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In der alten Königsstadt Hue

1505
2008
Do
22:37
Tag
342
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Ich gönne mir mal was. Ein ganzer Penthouse-Dorm im vierten Stock mit Überblick über die alte Königsstadt Hue. Für mich allein. Die vier Euro pro Tag hab ich gerade noch. Ganz oben kriegt man einige WiFis rein, ich arbeite den ganzen ersten Tag. Es gibt gute Restaurants, ich probier viel zu viel aus. Abends bin ich mit Blähbauch fast zu dumm zum Arbeiten. In der DMZ-Barr steppt der Bär, aber ich bin schnell müde.

Am Morgen breche ich auf zum alten Königspalast. Hier regierten von 1805 bis 1945 die Vietnamesischen Herrscher der Nguyen-Dynastie. Hue ist eine Zitadelle. Hohe Mauern und ein Wehrgraben umgeben die Stadt. Der Palast ist eine Zitadelle in der Zitadelle. Ganz im Kern liegt das Heiligtum: die innerste Zitadelle beherbergte die königlichen Konkubinen. (mehr …)

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Blumen im Kriegsgebiet

1405
2008
Mi
19:32
Tag
341
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Um sechs Uhr morgens brechen wir auf mit dem Bus nach Dong Ha, der letzten größeren Stadt vor der Demilitarized Zone. Wir wollen einen ganzen Tag die ehemalige Grenze zwischen Nord- und Südvietnam und einige der schlimmsten Schlachtfelder des Krieges besichtigen. Nach Zwei Stunden sind wir in Dong Ha, 30 Minuten später hab ich ein Zimmer, gefrühstückt, ein Motorbike und Jörg sein Abendticket nach Hanoi.

Wir wollen in keiner Gruppe reisen, gönnen uns für 15$ einen Tag einen Privatführer. Quang ist 50 und hat den Krieg miterlebt. Die Hoffnungen waren hoch, doch vor dem ersten Panzer packt er erst mal Geschichten von glorreichen Vietcong-Konkubinen aus, die GIs abmurksen. Mag so gewesen sein, aber er bringt das alles recht komisch rüber. (mehr …)

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Nachtzug nach Nirgendwo

1205
2008
Mo
23:58
Tag
339
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Im Regen fahren wir mit dem Taxi zum 30km entfernten Bahnhof von Phan Thiet. Jörg hat sein Ticket extra gekauft, wir haben unterschiedliche Abteile. Die Fahrt geht vorbei durch endlose Reisfelder. Die letzte Nacht war kurz, wir waren ordentlich aus. Ich schlafe schnell ein. Aber nicht lange.

In meinem Sechserabteil sind satte 9 Personen. Eine ist ein Baby in einer Schaukel in der Mitte. Es schreit fast die ganze Nacht. Das ist nicht so toll, richtig geil ist aber erst die junge überforderte Mutter. Stänkert das Baby immer wieder laut an. Der apathische junge Gecken-Vater spielt im Eck auf seinem Sony Handy die vietnamesische Hitparade rauf und runter. I can’t get no sleep. (mehr …)

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Kiten bis zum Umfallen

1005
2008
Sa
21:08
Tag
337
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Die ganze Woche bläst der Wind. Ich fang schon an zu Glauben, mein „Wo immer Du bist soll der Wind weg sein“ Fluch wurde ebenfalls weggeblasen. Kann mich nicht daran erinnern, in 10 Jahren Kiten einmal ne ganze Woche jeden Tag mindestens zwei Stunden auf dem Wasser gewesen zu sein. Doch genau das ist Mui Ne.

Ich könnt hier echt gut alt werden. Morgens im Liegestuhl am Strand ein paar Homepages entwerfen. Nachmittags ein paar Stunden Kiten. Abends gut und viel Essen gehen. Danach ein Bierchen in der Wax Bar nebenan. Filmchen zum einschlafen und ab ins Bett. Wenn Regelmäßigkeit so aussieht, würde sie mir wohl nie langweilig werden. (mehr …)

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Drachenbändiger und Windtiere

0805
2008
Do
19:44
Tag
335
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Die Tage verlaufen in festem Rhythmus. Spät Vormittag aufstehen, 20m zum Strand und Nase in den Wind halten. Frühstück und nachbarliches WiFi hijacken. Zwei Stunden Arbeit, Nase nochmal in den Wind halten. Kite aufbauen, fachsimpeln und ab aufs Wasser. Heute hat der Wind erstmals so richtig schön gebretzelt. Und Windfinder meint, dass es noch mehr wird.

Mein Kite war immer etwas unterpowert. Heute passt alles ab zwei Uhr. Ich häng gemütlich im Trapez, muss nix groß ziehen, lass mich einfach treiben. Die Wellen sind draußen ob dem Wind bis zu 1,5m hoch. Dazu ist’s recht böig, mit der Berg-und-Tal-Bahn draußen am Meer hab ich so meine Probleme. Alleine beim cruisen gibt’s viel zu lernen. (mehr …)

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Kitesurfen in Vietnam

0605
2008
Di
15:42
Tag
333
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Nach fast 10 Wochen und drei Ländern Flaute komm ich endlich mal wieder zum Kitesurfen in Vietnam. Windfinder gab guten Wind ab Sonntag und hatte recht. Wir sind genau zum richtigen Zeitpunkt zurückgekommen. Meine drei Freunde können ihren Kite-Kurs machen, und ich bin endlich mal wieder ohne großen Aufwand einfach glücklich.

In der vorherigen Nacht gab es schwere Gewitter. Anscheinend arbeitet Vietnam wenig mit Wasserkraft. Kaum war der Regen da, fiel der Strom 24h lang aus. Arbeiten geht schwer mit leeren Batterien und ohne Internet. Mein Los ist gar grausam. Ich habe keine Ausrede, nicht den ganzen Nachmittag zu kiten. Um elf Uhr bau ich den Kite auf. Nach den ersten Schwachwindbahnen fällt der Kite aus der Luft und baut schöne Leinennester. (mehr …)

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Vom Himmel über die Hölle ans Meer

0305
2008
Sa
23:41
Tag
330
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Der letzte Tag im Bikerhimmel von Da Lat führt uns direkt an eine kommunistische Rodelbahn. Wir heizen ins Tal an einen Wasserfall, dann rauf zur zweiten Fahrt. Erstmals in Vietnam fährt ein Mensch vorsichtig. In diesem Fall deutlich zu vorsichtig. Mit 5km/h blockiert ein Vietnamese die Rodelbahn, einen Weg auf dem einem keine Geisterfahrer im Minutentakt entgegenkommen.

Zurück am Hotel satteln wir die Bikes und machen uns auf einer alternativen Route auf den Weg zurück ans Meer. Mein Orientierungssinn bringt uns meist auf die richtigen Straßen. Nachfragen müssen wir trotzdem ständig. Die Karten sind zu schlecht, die Schilder äußerst spärlich gesät. Durch wolkenverhangene Regenwaldberge geht es auf Buckelpisten durchs vietnamesische Hochland. (mehr …)

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Im Biker-Himmel von Da Lat

0205
2008
Fr
19:06
Tag
329
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Da Lat ist sowas wie das vietnamesische St. Moritz. Die einzige Großstadt des Landes, in dem Hotels keine Klimaanlage haben. Es ist kühl auf 1500m. Die Franzosen waren Anfang des letzten Jahrhunderts hellauf begeistert von der Möglichkeit, mal ein paar Tage nicht zu schwitzen. Sie bauten 2500 Villen, später folgte noch ein kleiner Eiffelturm. Heute ist Da Lat auch bei Vietnamesen sehr beliebt und ziemlich überlaufen.

Wir sind wegen den Straßen hier. Gleich am Morgen Satteln wir unsere Bikes und fahren ins Umland. Es ist wieder schwer, etwas zu sehen oder zu genießen. Es wurde viel Agent Orange gesprüht hier. Das macht blind. Eine überlebte Ami-Invasion steigerte den Glauben an die eigene Unsterblichkeit ins Unendliche. Die Fahrweise der Vietnamesen ist entsprechend. (mehr …)

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Roadkill Vietnam

0105
2008
Do
21:52
Tag
328
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Noch am ersten Tag hab ich mir anscheinend ein Loch in den Reifen gefahren. Morgens wird geflickt, dann geht es mit Minimalgepäck los Richtung Berge. Die ersten 80km sind öde, aber dann beginnen die Berge. Zwecks fehlender Schilder verfahren wir uns und landen auf einer ganz kleinen Straße nach Da Lat. Ich weiß nicht, ob die Straße Schlaglöcher hat oder die Schlaglöcher Straße. Oft geht’s mit gerade mal 20 km/h vorwärts.

Der erste Pass geht schön hoch rauf. Nach einer halben Stunde heizen sind wir in den Wolken. Es wird erstmals kalt in Vietnam, meine Kleidung ist zu dünn. Wolkenfetzen krallen sich in steile Regenwald-Hänge. Rote Erde brennt unter schwarzen Wolken, Jörgs Auspuff vor meinem neuen feschen Geschichtsleiberl. (mehr …)

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Mui Ne: Schlimmer geht immer

3004
2008
Mi
23:01
Tag
327
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Der Bus nach Mui Ne ist wie jeder in Asien zu früh. Diesmal 15 Minuten, genau ein verpasstes Frühstück. Für die 200km nach Mui Ne braucht der Bus satte fünf Stunden. Am Fenster ziehen endlose Straßensiedlungen vorüber. Dann beginnt das In-Bus-Entertainment, und ich versteh die Welt nicht mehr. Im TV läuft „Vietnam sucht den Superstar“.

Alles ist austauschbar – Songs, Interpretation, Aufmachung, Makeup, Tanz. Alles ist überall gleich. Globale Verbullhornung. Nur die Mandelaugen deuten darauf hin, dass wir in Vietnam sind. Ein kleines stolzes Land voll großer Geschichte bezwingt einen Giganten. Erster Preis: Die Freiheit, individuell zu sein. Genauso gleich wie der ganze Rest der Amerikanischen Welt. (mehr …)

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