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Zerfall auf der Great Ocean Road

Der Tag startet gut. Ich habe einen Rideshare entlang der Great Ocean Road. Zwei Franzosen, eine Irin, alles gute Leute. Wir fahren in die Stadt, bekommen den Mietwagen, fahren los. Die Panik beginnt. Unser französischer Fahrer ist der schlechteste Fahrer, den ich je gesehen habe. Meine Oma fuhr mit 73 deutlich besser und sicherer. Der Start: Die Vermieter zeigen ihm, wie man startet.

Die Hightlights bis zum Abend: Mehrere äußerst knapp ausgelegte Vorfahrtsregelungen. Beinahe abbiegen in eine Einbahnstraße – nur für Trams. Ständiges ruckartiges unangekündigtes Bremsen. Dutzende Folgefahrer regen sich auf. Ein beinahe-Auffahrunfall. Vergessene Handbremse, aufsetzen auf einen Bordstein. Danach schön ruckartig rückwärts, damit es den Spoiler zerreißt. Und ewig: mit 40 über die Landstraße.

Ich sollte mein Maul öfter mal aufmachen, das hab ich heute gelernt. Ich gelobe es zu tun. Doch heute, ganz ehrlich: Nach einer halben Stunde will ich was sagen. Nach einer Stunde hab ich’s immer noch nicht getan. Kein Wort würde da mehr was bewirken – außer zusätzlicher Verunsicherung. Ich lass ihn noch ein paarmal mit dem Spoiler aufsetzen, auf offener Landstraße nach Kurven unvermittelt stehenbleiben und nach einem Wein gemütlich heim kriechen.

Der Tag war trotzdem gut: großartige Panoramen. Kängurus, erst auf einem Golfplatz, dann in freier Wildbahn. Endlich mal frei lebende Koalas. keine Quallen, Krokodile oder Haie. Schwimmen im kühlen Ozean, Surfern zuschauen im Surf-Mekka Toquai. Eukalyptushaine, großartige Küstenlandschaft und ein schöner Sonnenuntergang mit guter Musik.

Dann kommt die Krönung des Tages. Ich klappe im Auto meinen Laptop auf. Das schon lange wackelige linke Scharnier bricht. Der Laptop ist nicht kaputt, aber der Bildschirm braucht jetzt eine Stütze und verträgt keinerlei Erschütterungen mehr. Das Kabel könnte zerreißen oder das andere Scharnier auch noch brechen. Dann wär einfach alles Sense.

Ich war ganz unten als letzte Woche mein Auto verreckte. Hab wie wild gearbeitet. Mich wieder aufgebaut. Jetzt zerfällt das einzige Ding auf der Welt, das ich zum arbeiten brauche. Kein Laptop, kein Geld. Ganz einfach.

Im Hostel in Apollo Bay kann ich natürlich wieder mal nicht online gehen, um möglichst schnell eine Reparatur zu organisieren. Ich warte die Begründung gar nicht ganz ab, dreh einfach ab während die Chefin weiterredet. Ich will nix mehr hören. Schnauze voll. Mehr als gestrichen.

In meinem Kopf formt sich ein Drehbuch. Irgend sowas wie Falling Down, ohne Kinder und mit Webdesigner. Ich stürme in ein Hostel. Zerquetsche den Kopf des Betreibers zwischen LCD und Keyboard meines Laptops. Erwürge 3 Angestellte mit einem Netzwerkkabel. Spalte den Schädel eines zufällig anwesenden Autohändlers mit einer CD-ROM. Als die Polizei eintrifft werfe ich dem Schicksal noch schnell einen recht unglaubwürdigen Luftkuss hinterher.



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2 Kommentare zu “ Zerfall auf der Great Ocean Road ”

Lieber Frank, keine Panik, carpe diem! Bin heut auch etwas lahm (Adlersberg-Folgen). Melde mich dann mal nach dem 19.03. per email. Grüße aus D, Kai

Kommentar von Kai Wiese am 18.3.2008

Au Shit, mei, Adlersberg is ja auch schon…Mit bitte um einen ausführlichen Bericht – ich hoffe diesemal exclusive tiefen Fall.

Kommentar von ff-webdesigner am 19.3.2008

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